Nach nur 3 Stunden Schlaf eröffnete ich um 04:45 Uhr das Sportheim. Es waren schon ein paar Teilnehmer Vorort. Sie haben am Sportplatz gezeltet und genossen erst mal Ihr Frühstück. Wir hatten ein Nebenraum offen gelassen, damit die Ihr Kaffee kochen konnten. Kaum war ich da, holten sich die ersten Teilnehmer schon ihre Startunterlagen. Diese bestanden aus einem laminierten Startnummer (Größe A6, damit man nicht so ewig große flatternde Nummern mitschleppen musste) und eine kleine Mülltüte für den Abfall unterwegs. Weiter mussten die Teilnehmer eine Haftungserklärung unterschreiben, der mich für den privaten Ruin schützen sollte, Ihr Handynummer auf meine Liste eintragen und mein Handynummer als Notfallrufnummer notieren.
Nach einer ganz kurzen Einweisung die vor Allem die Beschilderung der Strecke betraf, schickten wir 41 Teilnehmer auf dem Weg. Schon nach 100 Meter lief Frank Wiegand an der Spitze nach rechts. Das Feld lief nach links, die Schilder hinterher. Spätestens hier mussten die Teilnehmer im Klaren sein, dass man auf die Beschilderung achten sollte.
Gunter, Peter und ich stiegen ins Auto und markierten etwa km 35 bis 38 mit Schildern. Diesen Abschnitt hatte ich am Vorabend nicht mehr geschafft. Nach einer Stunde waren wir damit fertig und begaben uns nach VP1. Dort bei km 20 standen Gabi, Rita und Maya. Gabi und Maya haben sehr viel Erfahrung diesbezüglich und deswegen war hier alles perfekt organisiert. Nach einer Viertelstunde kam dann auch schon nach knapp 2 Stunden laufen die Spitze des Feldes in der Person von Michael Becker, der sich schon 2 Minuten Vorsprung auf Frank Wiegand herausgelaufen hat. Auf die Plätzen 3 und 4 kamen eine weitere Minute Später Jens Lukas und Christian Zimmer. Obwohl die ersten 20 km durchaus schwierig waren, lag die Spitze einen km-Schnitt von weniger als 6 Minuten pro km vor. Damit konnte ich dann von diesen Durchgangszeiten auf die zu erwarteten anderen Durchgangszeiten schließen.
Nachdem das gesamte Feld nach 3 Laufstunden durch war, fuhren wir Zurück zum Sportheim. Auf dem Weg dahin kontrollierten wir noch ein Richtungsschild, das angeblich so stand, daß man interpretieren konnte, die Hauptstraße hoch laufen zu müssen. Ein Teilnehmer hat mich deswegen unterwegs angerufen. Er hatte Recht. Das Schild stand ein Wenig unglücklich. Weil noch etwa die hälfte des Feldes hier noch vorbeikommen musste, haben wir das Schild etwas besser positioniert und ein Flatterband extra angebracht.
Zurück am Sportheim fanden wir VP2 schon komplett eingerichtet vor. Ich hatte Katja und Klaus lediglich eine kleine Skizze gegeben, wie die Tische am Besten zu stehen haben, damit sowohl die Zeitnahme als auch das Wiederauftanken der Trinkblasen zügig von Statten gehen konnte. Die Beiden hatten keine Erfahrung mit der Ausführung eines Verpflegungspostens und haben ihre Arbeit einwandfrei gemacht. Direkt nach Ankunft am Sportheim sah ich die Situation Vorort und war richtig erfreut.
Nach 3:50 Std. auf 40 km traf Frank Wiegand ein. Er hatte die Spitze von Michael Becker übernommen. Sein Nachfüllen war richtig profihaft. Nach nullkommanichts war er wieder auf dem Weg. Michael Becker kam 5 Minuten später. Seine ortskundigen Eltern aus Reichweiler feuerten ihn überall auf der Strecke an. Langsam wurde es heißer. Es war wolkenlos und die Sonne schien gnadenlos. Das war für die Teilnehmer eine Zusätzliche Belastung, neben die nun wirklich nicht einfache Strecke. Als 3. und 4. und noch mal 7 Minuten später liefen wieder Jens Lukas und Christian Zimmer gemeinsam ein. Wieder konnte man das schnelle Nachfüllen beobachten. Der Wettkampf hat so langsam aber sicher richtig angefangen. Nachdem Jürgen Schoch als 7. durch war, fuhren wir hoch zur höchsten Stelle der Strecke. Hier bei etwa 48 km stellten wir Peter als Streckenposten ab damit da an der Stelle keiner abkürzt. Er bekam ein nettes schattiges Pfleckchen im Wald und würde auch die Durchgangszeiten notieren. Danach fuhren Gunter und ich zurück zum Sportheim. Wir wollten der Rest des Feldes bei km 40 durchlaufen sehen. Vor Allem hätte ich dort gerne meine Schwester mal gesehen. Es ist ihr 1. Ultra-Trail und es sie hat sich gleich diesen harten Brocken ausgesucht. Wir (also sie und ich) hatten leichten Zweifel, ob sie die ganze Strecke einigermaßen vernünftig bewaltigen könnte.
Auf dem Weg herunter sehe ich ein Läufer am Waldrand laufen. Ïst das einer von uns", dachte ich und Gunter meinte, es wäre Frank. "Das ist unmöglich", erwiderte ich aber drehte doch um. Wir warteten, bis er an unser Auto vorbei lief, … es war tatsächlich Frank. Ich sagte ihn, dass er unmöglich schon bei km 52 sein kann. Nachdem er erklärte, wie er gelaufen ist, forderte ich ihn auf, einzusteigen. Das einzigste was ich anbieten konnte, war ihm zurück zu bringen an der Stelle wo er falsch gelaufen war. Wiederwillig aber erkennend, dass ich Recht hatte, stieg er ein. Weiter unten habe ich ihn 'rausgelassen und gesagt, daß er leider ein Steilstück noch mal laufen muß. Er war auf und davon, da kam mir die Idee mal nachzuschauen ob das Schild tatsächlich falsch steht. Das Schild steht mitten im Wald und war eher umständlich zu erreichen. Trotzdem machten wir uns auf dem Weg. Gerade bevor Frank wieder an der Stelle auflief, erreichten wir das ominöse Schild. Alles war richtig hier, auch das Flatterband hing richtig. Wir zeigten Frank auf seinen Fehler hin und er sagte: "stimmt, hier war das", und lief jetzt richtig weiter. Nur so konnte ich ihn im Rennen halten. Immerhin war er bei km 40 Spitzenreiter. Ein paar Plätze und geschätzten 20 Minuten hatte er verloren. Ein Steiltück von etwa 500 Meter hatte er jetzt zwei Mal absolviert.
Mittlerweile war es zu spät um zum Sportheim zurück zu fahren und fuhren direkt nach VP3 bei km 54. Hier hatten meine Schwiegereltern sich bereit erklärt zu helfen. Es dauerte nicht sehr lange und Michael Becker tauchte schon auf. Er wunderte sich über die Information Spitzenreiter zu sein, denn es ging ihm nicht mehr so gut. Beim Verlassen der Verpflegung kamen auch Schon Jens und Christian, immer noch gemeinsam laufend. Frank hatte es geschafft, sich wieder auf zwei Minuten an den Drei heranzukämpfen. Ich ermutigte ihn noch weiterzulaufen aber er war sichtlich enttäuscht und wollte dennoch aussteigen. Auf meinem Vorschlag hat Gunter ihn zum Schild von km 77 gebracht. Ab dort würde er dann gemütlich auslaufen und sich schonen für den Brüder Grimm Lauf in zwei Wochen und der Swiss Alpin.
Ab jetzt gab es eine Spitzengruppe, bestehend aus drei Teilnehmern. Das Feld zog sich mittlerweile schon ordentlich auseinander. Erst 30 Minuten nach der Spitze kam der Nächste. Jürgen Schoch hatte sich auf Platz 4 vorgearbeitet. Nachdem die erste Frau, Birgit Bruder, vorbei kam, begaben wir uns auf dem Weg nach VP4. Die Sonne schien gnadenlos und ich war froh, bei dem Wetter nicht selbst laufen zu müssen.
Auf dem Weg zu Gabi und Rita sahen wir wieder Michaels Eltern. Sie standen etwa bei km 60 und sagten, daß hier noch keiner vorbei gekommen war. Wir fuhren weiter nach VP4.
Da angekommen, musste Gabi noch mal das Auto umparken, denn das wäre sehr gut von km 60 aus zu erkennen gewesen und die Läufer vielleicht verführen, nicht aufzupassen und falsch zu laufen. Diese Verpflegungsstelle fand ich recht schön und man konnte weit vorraus sehen, wer wann ungefähr vorbeilaufen würde. Hier wollten wir etwas länger verweilen. Mein Handy klingelte. Jedes Mal wenn das Handy klingelte bekam ich ein unangenehmes Gefühl weil das meistens ein Problem bedeutete. Bernd, der MTB'ler der vorneweg die Streckenmarkierungen überprüfte, meldete daß alle Flatterbänder und Richtungsschilder auf einen Streckenabschnitt von geschätzten 4 km restlos entfernt worden sind. Die Spitze wird in nicht mal eine Stunde dort erwartet.
Gunter und ich verlassen sofort VP4 (68 km), nehmen ein paar Streckenschilder von der Strecke wo der "Besenwagen" schon vorbei war mit und begaben uns auf dem Weg nach Pfeffelbach. Der Besenwagen bestand aus Maya, die das Feld ab km 40 hinterherlief. Sie machte so einen gemütlichen Trainingslauf bis km 68 und entfernte gleichzeitig die Flatterbänder. In Pfeffelbach angekommen, trafen wir auf Bernd der auf uns gewartet hat. Wir klären ab wer was neu markiert. Das Problem war vor Allem, daß das Flatterband zu Neige geriet. Wir klebten die Kilometerangaben der alten Schilder ab und platzierten sie an den Problemstellen. Hier musste zusätzlich die rote Spraydose herhalten, damit die Teilnehmer nicht den falschen Weg herunter laufen würden. Wir waren geschätzten 15 Minuten vor der Spitze damit fertig.
Ich habe mich geärgert über derjenige, der die Schilder und Flatterband eindeutig absichtlich entfernt hat. Ich halte das für Vandalismus auf niedrigem Niveau, mit Absicht eine Veranstaltung zu sabotieren.
Nach der Streckenreparatur fuhren wir ins Ziel. Da haben wir uns erst mal ausgeruht und ein Wenig geplaudert. Frank war schon ïm "Ziel" und war wieder gut gelaunt. Er meinte, er hatte sich allerdings beim zurücklaufen wieder verlaufen. Tja, … zum Traillaufen gehört mehr als nur schnell laufen. Ich meine hier nicht "Orientierung", sondern "Aufmerksamkeit", sonst landet man ins Nirwana.
Nach 9:10 Std. erscheint der 1. Läufer. Es ist Jens Lukas. Alle sammeln sich im Zielbereich und klatschen ihn zu. Ich gratuliere ihm zum Sieg. Er meinte gleich: "Oh, …das war eine harte Nummer". Etwa 5 Minuten später erscheint Christian Zimmer. Auch er ist sichtlich angeschlagen. War der Lauf zu schwierig? Ich denke nicht. Wahrscheinlich hat das heiße Wetter eine Teilschuld. Er (wie auch viele anderen Läufer später auch) "beschwerten" sich über die letzte 5 km. "Man sieht Reichweiler und denkt, man ist gleich im Ziel, kommen da noch ein paar Hammeranstiege und Steinbruchabschnitte". Eigentlich hatte ich im Vorfeld gedacht, die Teilnehmer noch ein paar schöne Dingen von Reichweiler zu zeigen. Ich hatte im Vorfeld keine Absicht es da noch schwierig zu machen. Aber wie ich das jetzt verstanden habe, ist es zwar schwierig aber das ist auch das Salz in der Suppe: "die wollen das doch". Wenn es eine 2. Auflage gibt, wird das mit Sicherheit drin bleiben. "Du bist ein kleiner Sadist" habe ich später noch von einem anderen Teilnehmer gehört.
So nach und nach laufen die Teilnehmer ein. Jedes Mal gibt es einen ordentlichen Applaus. Es wird immer voller im Zielbereich. Das Wetter ist schön und nahezu jeder der in Ziel ist, setzt sich irgendwo im Zielbereich. Obwohl das gar nicht so geplant war, war das richtig gesellig. So gesellig, dass ich mich kaum losreisen konnte. Ich hatte keine Ruhe und "musste" noch mal die Strecke bei Pfeffelbach kontrollieren ob die Schilder noch stehen.
Gunter und ich fahren noch mal los. In Pfeffelbach scheint alles in Ordnung zu sein. Wir fahren noch mal in den Pfeffelbacher Wald um dort die Schilder zu kontrollieren. Dabei fahren wir auf Klaus Hübner auf. Er ist ein Arbeitkollege von mir und nahm nur ein Wort im Mund: "Drecksack" rief er mir zu. Ich grinste und wünschte ihm noch viel Spaß und dachte an die Aussagen der Spitze über die letzen 5 km.
Dann fuhren wir endgültig zurück zum Sportheim und feierten dort jeden Zieleinlauf wie ein Sieg. Nahezu alle Teilnehmer saßen trotz riesiger Strapaze gesellig im Zielbereich beisammen. Das hat mich sehr gefreut.
Mittlerweile kam dann auch der Katering-Service und brachte das Essen. Ab etwa 19:00 Uhr konnten alle dann ein Thai-Buffet genießen. Ich wollte alle auf diese Art belohnen, an den Testlauf teilgenommen zu haben. Noch waren einige Teilnehmer unterwegs. Von Gabi wusste ich, dass der letzte Teilnehmer eine Viertelstunde nach geplantem Cut-Off bei VP 4 (68 km) durch war. Da die Cut-Off Zeiten eine reine Schätzung waren, wollte und vor allem dürfte er weiterlaufen. Das Essen wird kalt sein, wenn er einläuft aber irgendwie muß man den Spagat zwischen Spitze und Letzter schließen: "wer langsamer läuft, isst kälter". Aber ich glaube, daß werden die mich verzeihen.
Am meisten habe ich mich gefreut auf den Zieleinlauf meiner Schwester. Nach 14:47 Std. lief sie ein. Ich kam ihr entgegen und alle klatschen ihren Sieg herbei. Das war sehr ergreifend. Sie heulte. Das war mit Sicherheit vor lauter Freude und Erfüllung. Ich kann das sehr gut nachempfinden. Mir ginge das nicht anders. Chapeau Mayke!
Auch der letzte Teilnehmer wurde noch vom ganzen Teilnehmerfeld in Ziel geklatscht. Ein würdigen Empfang für 15:35 Std. über Stock und Stein.